Welche der verschiedenen Therapieformen kommt für Sie in Frage?  

Ist ein Prostatakarzinom festgestellt worden, stehen Sie vor der Frage, welches Vorgehen für Sie sinnvoll ist. Eine Reihe von modernen Therapieverfahren steht Ihnen zur Verfügung. Jede Therapie hat Vor- und Nachteile, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Unter Umständen kann sogar ein abwartendes Vorgehen angebracht sein. Welche Therapie die Beste für Sie ist, hängt immer von Ihren individuellen Umständen ab: Begleiterkrankungen, Alter, besondere Wünsche und andere Merkmale sind dabei wichtig. Im persönlichen Gespräch mit Ihrem Urologen können Sie über die geeignete Behandlung informieren. 

Auch wir beraten Sie gerne umfassend zu Ihrem persönlichen Therapieplan. Gemeinsam mit den Strahlentherapeuten stellen wir Ihnen in unserer interdisziplinären Prostatakrebs-Sprechstunde detailliert alle Therapienoptionen vor. Unsere Beratung kann eine wichtige Entscheidungshilfe für Sie sein – auch dann, wenn Ihnen bereits eine Behandlung empfohlen worden ist.

Strategie des Abwartens 

(»Active Surveillance«)

Ab einem bestimmten Alter und in einem sehr frühen Tumorstadium kann es unter Umständen  möglich sein, zunächst auf jede weitere Therapie zu verzichten und nur Kontrollen des PSA-Wertes durch Ihren behandelnden Urologen durchführen zu lassen.

 

Operation 

(»Radikale Prostatovesikulektomie«)

Für viele Patienten mit einem frühen Tumorstadium ist die radikale Tumorentfernung auch heute noch die Standardtherapie. Hierbei wird die gesamte Prostata unter Einschluss der Samenblasen entfernt. Je nach Risikokonstellation und Aggressivität des Tumors kann auch eine Entfernung von lokalen Lymphknoten notwendig sein. Zeigt sich bei der Untersuchung des Präparates durch den Pathologen, das der Tumor komplett (»RO-Resektion«) entfernt werden konnte und das Karzinom die »Prostata-Kapsel« noch nicht überschritten hatte (»pT2-Karzinom«), so kann mit hoher Sicherheit von einer langfristigen Heilung ausgegangen werden. Der Eingriff kann in den meisten Fällen potenzerhaltend durchgeführt werden.

Die langfristige Heilungsrate für alle Tumoren liegt mit dieser Therapie bei über 80%, bei sehr früh entdeckten Tumoren deutlich darüber. Ziel dieses Verfahrens ist eine radikale Tumorentfernung ohne wesentliche Einbußen bei der Lebensqualität. Wir führen diesen Eingriff in einer besonders schonenden Operationstechnik durch: Dabei werden nicht nur die für die Potenz wichtigen Nervenbahnen erhalten, diese Technik schont auch die Nervenversorgung des Schließmuskels und Beckenbodens.

So kann bei vielen Patienten bereits zum Zeitpunkt der Blasenkatheter-Entfernung nach 3 bis 5 Tagen eine zufrieden stellende Kontinenz erzielt werden. Auch der Potenzerhalt ist nach unseren Erfahrungen mit dieser Technik erfolgreich. Die Entlassung aus der stationären Behandlung ist im Durchschnitt nach 5 bis 7 Tagen möglich.

Offene Operationen oder Laparoskopie?

Unsere Klinik bietet die radikale Prostataentfernung sowohl als offene Operation als auch als Roboter-assistierten laparoskopischen Eingriff an (Da-Vinci© System). Vor- und Nachteile beider Verfahren müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Hierzu dient das Gespräch mit dem behandelnden Urologen in unsere Klinik. Beide Methoden zeigen exzellente und vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich der vollständigen Tumorentfernung, Kontinenz und Potenz nach der Operation.

 

 

Strahlentherapie 

(»Perkutane Strahlentherapie oder permanente Seedimplantation«)

Die Strahlentherapie ist in den letzten 10 Jahren durch die Entwicklung der Computertechnik bedeutend verbessert worden. Heutzutage können höhere Dosen als früher mit weniger möglichen Nebenwirkungen eingestrahlt werden. Dafür stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung:

Perkutane Strahlentherapie Hierbei wird die Prostata ausschließlich von außen bestrahlt. Die Dauer der Behandlung beträgt in der Regel ca. 8 Wochen, sie wird komplett ambulant durchgeführt. Die gesamte Dosis der Strahlentherapie wird hierbei in etwa 40 einzelne »Portionen« aufgeteilt, was die Therapie wesentlich vertäglicher und nebenwirkungsärmer macht.

Sie bietet bei vielen Tumorformen eine größere Sicherheit, den Tumor umfassend zu bestrahlen als die sogenannte »permanente Seedimplantation«.

Permanente Seedimplantation Bei der permanenten Seedimplantation werden viele, wenige Millimeter große Metallhülsen (sogenannte »Seeds«), die strahlendes Material enthalten während einer Operation in die Prostata eingebracht. Diese Therapie hat den Vorteil, das sie innerhalb einer kurzen Zeit durchgeführt werden kann. Sie wird jedoch nur bei sehr frühen Tumorstadien eingesetzt.

Alternative Verfahren

 

Die Radikale Prostatektomie ist die Standardtherapie des lokalisierten Prostatakrebses. Eine neue, nicht-invasive Methode zur lokalen Behandlung des Prostatakarzinoms ist der „Hochintensive fokussierte Ultraschall" (HIFU). Dabei werden hochenergetische Schallwellen über eine im End-Darm platzierte Ultraschallsonde auf die Prostata fokussiert. Erste Erfahrungen zeigen, dass dieses Verfahren eine Zerstörung der Prostatakrebszellen bewirkt und dennoch schonend und wenig belastend ist. HIFU wird in Spinal- oder Vollnarkose angewandt. Der Patient muss mit einem stationären Aufenthalt von zwei bis drei Tagen rechnen.

Sollte bei Ihnen bereits ein fortgeschrittener Tumor bestehen, so können möglicherweise Kombinationen einer Hormontherapie mit einer Strahlentherapie von außen oder eine »Afterloadingtherapie« in Frage kommen.

Bei dieser »Afterloadingtherapie« werden Hohlnadeln in die Prostata eingebracht, die in kurzer Zeit eine relativ hohe Dosis abstrahlen können. Anschließend werden die Hohlnadeln wieder entfernt.

Die beschriebenen Verfahren sind alternative Möglichkeiten bei frühen, aber auch fortgeschrittenen Stadien des Prostatakrebses und zeigen die Bedeutung einer ausführlichen, interdisziplinären Beratung.

Wird die Beratung auch bei Patienten mit Tumorabsiedlungen (»Fernmetastasen«) angeboten?

Je nach Größe des Tumors und anderen Kriterien können Kombinationen der genannten Therapieformen für Sie in Frage kommen. Auch bei fortgeschritteneren Tumoren und bei Fernabsiedlungen (»Metastasen«) kann eine interdisziplinäre Beratung Ihnen helfen, die für Sie beste, individuelle Behandlungsform zu finden. Deshalb stehen Ihnen selbstverständlich auch in diesem Fall die Ärzte der Sprechstunde für eine Beratung in dem »Interdisziplinären Prostatakrebszentrum Berlin« zur Verfügung.

 

Ziele des Interdisziplinären Prostatakrebszentrums Berlin

Beratung von Patienten mit Prostatakrebs und ihren Angehörigen über ihre individuelle, optimale Therapie

• Gemeinsame Beratung durch einen erfahrenen Urologen und Strahlentherapeuten über Wirkungen und Ergebnisse, aber auch mögliche Nebenwirkungen der verschiedenen Therapieformen

• Schriftliche Festlegung eines Therapiekonzeptes

• Auf Wunsch Vermittlung eines Kontaktes zu Patienten-Selbsthilfegruppen